#etjakintsugi ist ein Ausstellungsquilt; unsere Patchworkgruppe Hanau plant alle zwei Jahre eine Ausstellung. Seit 2024 haben wir dank der Stadt Hanau die Möglichkeit unsere Arbeiten im Neustädter Rathaus auszustellen.
Für 2026 hat sich die Gruppe - und ich schreibe bewußt die Gruppe - für "Einen Stoff für alle" entschieden. Dem sehr ins gold/bunt und vor allem Lila changierende "Geo Abstract Tide Metallic" aus der "Wings of Gold" Serie von Timles Treasures, um genau zu sein. Also alles in allem nicht meins, nicht rot, nicht weiß und dann noch lilatönend...
Aber genau das macht es zu der kreativen Herausfordung, die wirklich Spaß gemacht hat . Trotz aller "Wiedrigkeiten" entwas zu erarbeiten was mir wirklich gefällt.
Ich brauchte eine ganze Weile bis ich sicher war wohin die Reise gehen sollte. Für den bunten Stoff wollte ich etwas ruhiges absolut unbuntes haben.
Japan, Boroquilts, Kintsugi, die Quilts von Shizuko Kuroha, all das hat mich inspiriert.
Ein ganzer Stapel abgetragender schwarzer, hauptsächlich Leinen- aber auch Baumwoll- und Feincordkleidung wurde zur Stoffquelle. Eine upcycling Arbeit. Der Tide Metallic wurde zur Kintsugi Metalllinie und der Quilt unförmig, nicht begradigt mit Faced Binding zum fertigen, ganz neuen aber irgendwie gebrauchten, alten, reparierten Quilt.
Kintsugi/Kinsukuroi kommt aus dem Japanischen und bezeichnet die Goldverbindung, die goldene Reparatur mit der ein (Keramik) Schaden nicht versteckt, stattdessesn bewusst betont wird; mit gold glänzenden Metalllinien.
Den Schaden im Quilttop zu verursachen war dann auch so ziehmlich der schwierigste Teil der Arbeit. Die fertigen LogCabin Bahnen bewusst zu zerschneiden war hart und nichts was ich so schnell wieder machen möchte. Einen Quilt, auch wenn es nur ein Top ist, bewusst zu zerstören verursacht zumindestens mir fast physische Schmerzen. Vor allem mit dem Nicht-Wissen ob ich in der Lage sein würde die Teilstücke mit dem "Kintsugi" Stoff wieder zusammenzusetzen und zwar so dass sie auch wieder eine flache ebene Fläche ergeben und keine Hubbel und Wellen schlagen.
Mit jeder Herausforderung wächst frau und ich muss mir eingestehen dass ich mir selbst in Sachen Patchwork vielleicht auch oft noch immer zu wenig zutraue. Ich arbeite jetzt schon seit über 20 Jahren mit Stoff und allein mit dem Spaß an den Stoffspielerein, den Texttechniken und dem Handwerkszeug habe ich soviel gelernt, schon einmal ausprobiert oder zumindestens genau studiert dass vieles einfach klappt auch wenn man glaubt zu wissen dass frau es nicht kann.
Es wird Zeit es endlich mit Pipi Langstrumpf zu halten: " Das habe ich noch nie vorher versucht, also bin ich sicher, dass ich es schaffe"
Das Faced Binding für die untere, sehr unregelmäßge Kante mit Innen und Außen Ecken hatte ich mir als nervigste, Pfriemelarbeit für ganz zum Schluss geparkt. Entpuppte sich dann aber als entspannende und mühelose Handarbeit, die sich an einem Abend auf der Couch erledigt hatte.
Dann die LogCabin Blöcke, die ungefähr gleich groß sein sollten aber nicht steril und perfekt wirken durften. Alle aus einem Mischmasch unterschiedlicher Stoffe, vor allem der Baumwollwebware meiner Pullies, die so gar nicht Patchwork geeignet schienen. Mit Hilfe einer Patchworkfreundin und ihrem Fundus an sehr dünner Baumwollbügeleinlage ein Kinderspiel.
Da hilft auch das Wissen um Gebrauchs- und Verbrauchsmaterial bei Quiltarbeiten. Neues Großprojekt sollte immer neue Rollschneiderklinge (Verbrauchsmaterial!!!), genügend nigelnagel neue und spitze Nähmaschinennadeln (Verbrauchsmaterial) bedeuten. Gutes und gerne mal eine Rolle mehr Nähgarn und gleich ein halbes Dutzend Unterfadenspulen vorbereitet. Ausreichend große Quiltlineale und Schneidematte (Gebrauchsmaterial) machen das Quiltleben sehr viel einfacher.
Und dann meine persönliche Marotte: ein Quiltprojekt Journal. Alle Planungen, Ideen, Materiallisten und Muster an einem Ort. Zwischenstandnotizen, Maßangaben und Nähmaschineneinstellungen, einfach alles was irgendwie zum Projekt gehört wird darin festgehalten. Damit wird das Wiederanfangen nach einer Pause von mehreren Monaten unkompliziert, die Anzahl der bereits fertigen und noch fehlenden LogCabin Blöcke ist leicht nachzulesen. Die Maschineneinstellung schnell übernommen und weiter geht es.
Und dann, ja ich weiß dass es ein Luxus ist den viele von uns Patchworkbegeisterten nicht haben, Quiltläden in der nahen Umgebung. Garne und in meinem Fall ein schwarzes Vlies eben schnell selbst vor Ort einkaufen zu können ist Gold wert.
Jetzt hängt das gute Stück in der Ausstellung; einen Tag vor der Vernissage ist er (fast) fertig geworden denn das Quiltlabel fehlt noch. Hier bin ich noch am Ausprobieren. Ich möchte es gerne mit goldener Acrylfarbe und Texilmalmittel in schwungvollen Pinselstrichen auf schwarzem Leinen gestalten.




















